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Künstlerin des Monats Dezember 2017: IMKE FLORIN (Köln)

 

1. Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Als Kind schon Schafswolle aus den Zäunen der Niederrheinwiesen geklaubt und verbastelt – zeitlebens eine unbändige Lust am Kreativ-Sein inkl. Stricken, Nähen. Beruflich ging es aber in ganz andere Richtungen, u.a. Dipl.-Biologin, Medizin-Redakteurin.

 

Das mit meiner Müllkunst kam durch Zufall um 2000 herum, nach einem normalen Wocheneinkauf, als mir plötzlich der Wust an Verpackungsmüll eines einzigen Einkaufs bewusst wurde… und ich entdeckte Formen, Oberflächen, Strukturen, kurz die Ästhetik und Zweitverwendungsmöglichkeiten von Abfall-Materialien. Erste Collagen entstanden. Berufsbedingt dann aber wieder lange Pause und erst 2013 eine gesunde Rückbesinnung auf mich & meine kreative Leidenschaft. Dem Abfall bin ich treu geblieben und mit vielen neuen Objekten entstand dann auch die Benennung ‚Kunst aus Ab+ZuFall‘

 

2. Was ist das Wesentliche an Ihrer Kunst?

  1. Für mich ganz persönlich: lebenswichtig!
  2. Zentral ist mir bei allem die Farbe Blau – solo oder mit kräftigen Farbtönen kombiniert.
  3. Neues aus dem Abfallkorb zaubern… Wiederverwertung und Wertschätzung von Rohstoffen & Materialien. Den Begriff „hochwertige Materialien“ definiere ich einfach um.

3. Mit welchen Materialien und Methoden arbeiten Sie und warum?

Überwiegend alltäglicher Abfall aus Pappe, Plastik, Metall, gern auch einzelne Bestandteile. Immer camoufliere ich die Materialien, bevor ich sie in neuem Kontext arrangiere und verklebe. Werbeaufdrucke stören mich, lenken ab von Struktur & Form – Herkunft & Ursprungsbestimmung sollen im Werk nur noch erahnbar sein.

 

Meist Acrylfarben, aber auch Farbreste z.B. Nagel- oder Autolacke. Durch den Zufallsaspekt und die unterschiedlichsten Materialien entsteht ein breitgefächertes Spektrum von Werken und Formaten: reine Bilder, Mosaike, Bild- und plastische Collagen zum Hängen oder Stellen, Figuren – mal als Kleinod, mal auch bis zu 1,50 m groß.

 

4. Sagen Sie ein paar Worte zu dem oben vorgestellten Bild!

Mein BroschenMosaik-Triptychon, ca. 110 x 110 cm: ein sehr anschauliches Beispiel meiner ‚Kunst aus Ab+ZuFall: 649 mal Kleinkunst auf 3 x 3 cm Päppchen aus Pizzaschachteln geschnitten, beklebt mit Flächen aus Werbeblättchen & -prospekten, Einkaufs-Restmüll von Pralinen-Goldfolie bis Textilettiketten, Zerbrochenes & Nippes aus der Kruschkiste…

 

5. Woher bekommen Sie die Inspiration für ein neues Kunstwerk?

Aus mir heraus… wenn ich die Materialien sehe… wenn ich sie in der Hand halte, drehe, aneinanderlege, auseinandernehme…. Ideen und Assoziationen sprudeln fast unablässig in meinem Kopf, ich nenn es immer Synapsen-Feuerwerk…

 

6. Nennen Sie eine Künstlerin oder einen Künstler, die/der Sie besonders geprägt hat, und erklären Sie, warum?

Öhm, da kann ich jetzt niemanden nennen. Der Impuls zur Müll-Verkunstung kam mir ja im stillen Kämmerchen. Erst in jüngster Zeit habe ich grandiose Vertreter dieser Kunstnische entdeckt; aber sie haben keinen Einfluss auf meine Arbeiten – das würde mich eher unzufrieden machen, wenn ich da jemandem nacheifern wollte.

 

Generell liegt mir der Bauhaus-Stil und natürlich blaue Kunst. Bin fasziniert von vielem Zeitgenössischen; Unkonventionelles & Abstraktes begeistern mich besonders.

 

7. Transportieren Ihre Werke eine Botschaft?

Keine plakative oder ideologische Botschaft. Ich nehm es eher augenzwinkernd. Mir gefällt das Staunen, wenn der Betrachter hört oder sieht, aus welchem Abfall was entstanden ist. Vielleicht ein Anreiz, selbst manches wiederzuverwerten, zweckentfremdet zu nutzen…

 

8. Woran arbeiten Sie gerade?

An vielem parallel. Einige Werke wachsen langsam, weil der verwendete Abfall sukzessive anfällt; z.B. ein mehrteiliges ‚KippMal‘ – Mosaike aus colorierten Zigarettenstummeln – und ein großes Klopapierrollen-Objekt, bei dem die Rollen allerdings so komprimiert zum Einsatz kommen, dass ich noch hunderte brauche. Und auch die digitale Kunstzweitverwerwertung meiner haptischen Objekte ist in Arbeit – fraktale Neu-Kompositionen von Originalausschnitten mit Zielsetzung Stoffdruck (Tücher, Beutel, Bettwäsche u.ä.).

 

9. Was ist Ihr künstlerisches Ziel?

Weiterhin viel Neues entdecken, experimentieren und ausprobieren – sowohl was Materialien als auch Techniken angeht. Da ich gerade an der Schwelle stehe zwischen sog. Hobby- zur freischaffenden Künstlerin, hoffe ich, mittelfristig ein Stück weit von meiner Kreativität auch leben zu können.

 

10. Kann man bald Ihre Werke in neuen Ausstellungen bewundern?

Im Mai konnte ich auf der Ehrenfelder Kunstroute, im November auf den 4. Brücker Kunsttagen in Köln ausstellen. Bestimmt ergeben sich auch 2018 wieder tolle Möglichkeiten, vielleicht sogar eine eigene Ausstellung zusammen mit meinem Fotokunst-Bruder.

 

© Rechtliche Belehrung: Die Inhalte des Interviews sowie die angezeigten Bilder unterliegen dem Copyright der Künstlerin/des Künstlers.

Organisation & Kontakt:

Seona Sommer

Udo Funk

Flyer & Plakat & Webseitendesign:

Ekkehard Florin

Mail: info(at)bruecker-kunsttage.de

Tel.: 0163-8412030