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Künstler des Monats Juli 2018: MARCUS GIER (KÖLN)

1. Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Durch meinen beiden Windhunde, Elvis und Loki. Anfänglich waren es die üblichen Hundebilder, die jeder Hundehalter gerne von seinen Hunden schießt. Windhunde haben die Eigenart, sehr schnell in der Gegend herumzuwandeln, daraus resultierte die Anschaffung von leistungsfähigem Kamera-Equipment, wie es auch in der Sportfotografie eingesetzt wird. Über zahlreiche Rennbilder bin ich dann gefrustet von nassen Tagen, welche das Fotografieren draußen, aufgrund meiner tropfenscheuen Langnasen nicht zuließen, zur Studiofotografie gekommen. Ein schwarzes Bettlaken, welches anfänglich als Hintergrund improvisierte, trug ebenfalls entscheidend zu meinem heutigen Stil bei. Mit der Zeit stellte ich die fantastische Reaktion und den daraus entstehenden Gesichtsausdruck der Hunde fest, während ich sie im Studio zwischen Kamera und Bettlaken versuchte, dem Lehrbuch entsprechend zu platzieren. Das Lehrbuch landete schnell im Altpapier, denn genau dieser fantastische Moment reizt meinen Zeigefinger auf dem Auslöser.

 

2. Was ist das Wesentliche an Ihrer Kunst?

Die Interaktion zwischen mir und dem Hund sowie der unberechenbare Moment, den mir der Fellfreund mit seiner Gestik zum Zeitpunkt des Auslösen schenkt. Sein Statement zur Situation.

 

3. Mit welchen Materialien und Methoden arbeiten Sie und warum?

Mein Werkzeug ist meine Kamera, ein paar Blitze und der übliche Fotokram, meine Methode die Chemie zwischen mir und dem Hund sowie das Unberechenbare. Ich verwende fast ausschließlich schwarze Hintergründe im Studio und belichte die meisten Bilder unter, so entsteht der sogenannte LowKey Effekt. Für mich eine feine Methode den Betrachter des Bildes auf die wesentlichen Details zu lenken. Heute fast schon Standard, die digitale Ausbelichtung mit vielen nötigen und unnötigen Korrekturen und Verfälschungen. Ich beschränke mich auf die nötigen, alleine schon, weil ich viel lieber hinter der Kamera liege und mit den Hunden spreche, als hinter dem Laptop zu sitzen. Daraus resultiert, ein möglichst technisch perfektes Bild während der Aufnahme zu erstellen. Damit erübrigt sich auch die Frage nach Benutzung von Overlays und sonstigen digitalen Finessen, auf meinem Fotos ist alles real zum Zeitpunkt der Aufnahme, vom Leckerli, über die Seifenblase bis zum Sabberfaden.

 

4. Sagen Sie ein paar Worte zu dem oben vorgestellten Bild

Dieses Bild ist eines meiner ersten Studiobilder von Elvis und Loki. Eigentlich war mein Plan, ein schönes Bild der beiden zu Weihnachten für die Schwiegereltern zu knipsen. Der Plan ging auf, doch das Bild landete nicht bei den Schwiegereltern an der Wand, sondern verbreitete sich wild Viral im Netz und nennt sich der „Der feuchte Kuss“. Interpretationen, ob es doch für Schwiegereltern geeignet ist, überlasse ich großzügig dem Betrachter. Glücklicherweise hat dieses Bild auch noch einen Preis auf einer Foto-Messe gewonnen: eine Unterwasser-Kamera. Möglicherweise wird selbige dann das nächste Weihnachtsgeschenk für den Schwieger-Papa.

 

5. Woher bekommen Sie die Inspiration für ein neues Kunstwerk?

Eigentlich bin nicht ich der, der inspiriert wird, ich drücke nur den Auslöser. Inspiriert ist das Modell, oder vielleicht auch nur genervt, weil das nächste Leckerli zu lange auf sich warten lässt. Manchmal muss man aber auch der tierischen Inspiration auf die Sprünge helfen, die Ideen für neue Setups oder Bildelemente fallen mir meistens auf den Spaziergängen mit meinen beiden Hunden ein.

 

6. Nennen Sie eine Künstlerin oder einen Künstler, die/der Sie besonders geprägt hat, und erklären Sie, warum?

William Wegman und sein Weimaraner. Eigentlich bin ich kein Fan von Hunden in Menschenklamotten. Aber bei William ist die Komposition aus der Mimik des Hundes und dem Kostüm einfach perfekt.

 

7. Transportieren Ihre Werke eine Botschaft?

Meine Werke sind nur das Transportmittel, die Botschaft sendet definitiv das befellte Modell.

 

8. Woran arbeiten Sie gerade?

Derzeit bin ich mit den abschließenden Arbeiten der Aktion #KlickForHubert beschäftigt. Im Rahmen dieser Aktion habe ich verschiedene Hunde zugunsten von Rolf´s Streichelzoo Köln e.V. fotografiert. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die nächste Aktion zugunsten der Alexianer „Vier Pfoten für Sie “, Besuchshunde für demenzkranke Menschen. Weiterhin verhandele ich gerade über die Auflage eines Fotobuches.

 

9. Was ist ihr künstlerisches Ziel?

Menschen begeistert über Hunde sprechen zu lassen und Hunden eine Stimme zu geben. Mit meinen Bildern und Aktionen die Aufmerksamkeit auf verschiedene gemeinnützige Projekte zu lenken und diese zu unterstützen.

 

10. Kann man bald Ihre Werke in neuen Ausstellungen bewundern?

Die nächste Ausstellung unter dem Namen #KlickforHubert mit Rahmenprogramm rund um den Hund findet am 07.07.2018 in Rolf´s Streichelzoo Köln e.V., Tulpenweg 25-27, 51143 Köln statt.

Ab dem 21.09.2018 im Rahmen der KalkKunst in der Sparkasse Köln-Bonn, Rösrather Str. 605-607, 51107 Köln.

Am 02.12.2018 in der Klostergärtnerei der Alexianer, Gremberghovener Str. 32, 51149 Köln, als Abschluss der Aktion für die „4 Pfoten für Sie".

 

© Rechtliche Belehrung: Die Inhalte des Interviews sowie die angezeigten Bilder unterliegen dem Copyright der Künstlerin/des Künstlers.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Tierfotigrafie Dani Rieck (Sonntag, 01 Juli 2018 16:14)

    Welch ein toller Beitrag. So könnte ich nun genau herausfinden was alles hinter den Fotos steht. �
    Es hat mir Spaß gemacht den Bericht zu lesen.
    Lieber Marcus ich wünsche dir natürlich weiterhin viel Erfolg und gutes Licht.

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